Tagung: „Demokratische Resilienz im Zeitalter Künstlicher Intelligenz“
Mit welchen Herausforderungen sehen sich Demokratien im KI-Zeitalter konfrontiert? Wie verändert KI politische Debatten? Wie verschieben sich Machtverhältnisse durch datengetriebene Technologien?
Diesen und vielen weiteren Fragen widmeten sich Forscher:innen und Praktiker:innen auf der auf der Tagung „Demokratische Resilienz im Zeitalter Künstlicher Intelligenz“ am 07. und 08. Juni 2026 in München. Eingeladen hatten der Arbeitskreis Digitalisierung der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft und das Bayrische Forschungsinstitut für Digitale Transformation – bidt. Zwei Tage, drei Panels und multiperspektivische, umfassende Vorträge entließen das PriDI-Team mit jeder Menge „food for thought“.
PriDI-Juristin Charlotte Werther war Teil des Panels „Autoritarismus, Populismus und KI: Politische Steuerung, gesellschaftliche Einstellungen und Resilienzstrategien“. Ihr Vortrag „Digitale Souveränität als Verfassungsauftrag – Wer ist verantwortlich für den Zugang zu Informationen im Internet?“ beleuchtete die Bedeutung des Informationszugang für die Meinungsfreiheit und die Demokratie. Charlotte zeigte auf, wie der freie Informationszugang heute durch Websuche, KI und die Abhängigkeit von außereuropäischen Playern beeinträchtigt wird – und welche negativen Folgen diese Abhängigkeit hat.
Kritische Worte in diesem Kontext fand auch Prof. Dr. Inken Heldt, Professorin für das Politische System der Bundesrepublik Deutschland und Politische Bildung und Leiterin des Labors für Demokratiebildung an der Universität Passau, in ihrer Keynote. Ihre These: echte informationelle Selbstbestimmung ist nicht mehr möglich – KI zerlege Menschen in Datenpunkte und dieser Prozess ist irreversibel. Inken Heldt zeigte auf, dass Chatbots zunehmend zur Quelle für politische Informationen werden und damit als mitgestaltende Akteure die Macht haben, den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen. Problematisch sieht Sie dabei die stets „ausbalancierte Ergebnisdarstellung durch KI, selbst wenn ich im Prompt um ‚Für und Wider‘ bitte.“ KI banalisiert, die Suche nach Gegenmeinungen entfällt – und das ist gefährlich für die Meinungsbildung, resümiert Inken Heldt. Wie lernen Schüler:innen den kompetenten Umgang mit KI? Wie können wir demokratische Prozesse im digitalen Kontakte wieder gestalten? Wie findet der verantwortungsvolle Umgang mit KI Eingang in die Ausbildung von Politikern? Das sind Fragen, die es zu beantworten gilt.
Im Panel „Institutionen im Stresstest: KI als Innovationstreiber?“ ging Dr. Alexander Niedermeier vom Zentrum für Politische Bildung und Vielfalt in der Polizei NRW darauf ein, dass die Integrität von Informationen ein schützenswertes Sicherheitsgut sein könne. Für staatliche Institutionen wie die Polizei entsteht mittlerweile „wachsender Authentizität-Stress“ – Deepfakes und Desinformation sorgen sukzessive für die Destabilisierung verlässlicher Informationen. Der potentielle „strukturelle Verlust einer gemeinsamen überprüfbaren Identität“ wird zur Herausforderung.
Ein weiteres Panel stellte die Frage “Demokratische Resilienz durch Bildung?”. Die Vorträge behandelten Aspekte aus Schule und Hochschule im Zeitalter Künstlicher Intelligenz sowie Chancen für die Wahlbereitschaft durch digitale Beteiligungsformate. Auch die aktuelle Forschung von Janna Schuhmann zu „Jugendlichen Sagbarkeitsdiskursen online“ bewegte. Nach Angaben ihrer Studienteilnehmer:innen zensieren sich junge Menschen viel eher online. Auch darin liegt eine weitere Herausforderung, die einen entsprechenden Kompetenzaufbau im Umgang mit KI und Sozialen Netzwerken erfordert.
Es ist kaum möglich all die spannenden Beiträge Revue passieren zu lassen. Daher freuen wir uns, dass eine Veröffentlichung als Tagungsband geplant ist.
Zwischen den drei spannenden Panels blieb genug Zeit, sich auszutauschen und zu netzwerken. Die vielfältigen Beiträge haben unseren Horizont erweitert und wir nehmen etliche Impulse für unsere Forschung und unsere Arbeit als NGO mit.








